Franz-Dinnendahl-Schule









Stark ohne Gewalt

Zum Ablauf des Trainingsprogramms:

Es gibt zwei Möglichkeiten:

1.     Entsprechendend dem Schulprogramm erscheint es sinnvoll im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Polizei, das Training mit den 7. und 8. Klassen durchzuführen. Die Durchführung erfordert eine Schulvormittag inklusive Pause und anschließender Auswertung. Es ist wesentlich für das Programm, dass die Schüler/innen losgelöst von der Stundentafel sich ganz den einzelnen Trainingselementen widmen können. Durch Auslosen oder Zählreime... wird das bestehende Beziehungsgeflecht der Klassen aufgelöst, so dass jedes Gruppenmitglied mit ihm weniger vertrauten Mitgliedern Aufgaben löst bzw. Erfahrungen sammelt.
2.     Die weitere Möglichkeit besteht darin, dass sich Klassen in denen es Handlungsbedarf gibt, einzeln über ihren Klassenlehrer oder ihre Klassensprecher an uns wenden. Ein Vorgespräch prüft die Notwendigkeit an unserer Schule. Auch hier wird eintägig gearbeitet werden müssen. Die jeweiligen Termine in den Klassen- vor allem in den Jahrgängen 7 und 8, in denen das Programm stufenweise erfahren wird, werden mit Rücksicht auf Klassenarbeiten, Unterrichtsgänge und ähnliches mit der Schulleitung und den Kollegen/innen abgesprochen. Jede 7. und 8. Klassen ist ins Programm eingebunden.

Für beide Möglichkeiten gilt:
Je nach Klassensituation und Problematik wird eine Auswahl der erprobten Aufgaben vorgenommen und modifiziert. Den Kursleiterinnen sind die Spiele und ihre möglichen Wirkungen durch eigene Erfahrungen und Supervisionen aus mehreren Fortbildungen vertraut. In der anschließenden Auswirkung werden die Gruppen sowie einzelne Schüler stets die Gelegenheit haben, das Erlebte zu beschreiben, ihre Gefühle wiederzugeben und ihre Rückmeldungen auf Konfliktsituationen übertragen zu lernen. Ihr Einfühlungs, und Wahrnehmungsvermögen wird geschärft und sie gewinnen mehr Klarheit über ihr eigenes Handeln. Mögliche Elemente des Trainingsprogramms aus der folgenden Vielfalt können je nach Situation gruppenbezogen angewendet werden:

Warming-up - Gefühle erkennen (Wettersituation)
Mein Wappen – was verbindet uns? Was unterscheidet uns?
Der Ton macht die Musik
Gefühle erkennen und darstellen
Aus Spaß wird Ernst
Alle, die ...(entspannend)
Meine Wahrheit, deine Wahrheit
Faustspiel
Ausgrenzung
Statuenbau
Die Raupe usw.

Zum besseren Verständnis geben wir drei Beispiele des in der Fortbildung gelernten Programms in Fotokopie an.

Türöffner:

Ziel: In schwierigen Situationen der Anknüpfungspunkt, den Gesprächseinstieg oder die richtige Reaktionsweise zu finden, die Kontakt herstellt und Dialog/eine Beziehung/Kommunikation möglich macht.

Arbeits-/Organisationsform: Das Setting für die Übung wird vorgegeben: 4-6 Personen gehen in die Mitte – sie spielen eine Situation auf dem Schulhof, in der sie sich für den Nachmittag zum Schwimmen/Fußball ... verabreden. Eine Personen aus dem Außenkreis soll nun versuchen, in den Gesprächskreis hinein zu kommen. Die Übung wird mehrmals wiederholt mit immer neuen Personen aus dem Außenkreis, um möglichst viele „Türöffner“ auszuprobieren.

Die Übung ist als Anschlussübung zum „Ausgrenzungsspiel“ zu sehen. Während dort die Anweisung gegeben wird: „Auf jeden Fall denjenigen/diejenige, die versucht in den Gesprächskreis hineinzukommen, nicht reinlassen!“, soll bei dieser Übung genau hingehört werden, wie versucht wird, Zugang zum Gesprächskreis zu bekommen. Beide Seiten registrieren, welche Gefühle, Gedanken .. in den unterschiedlichen Phasen des Versuches, in den Kreis zu gelangen, aufkommen.
Nach Abschluss eines jeden Durchgangs geben beide Seiten (zunächst die Person, die hineinkommen möchte, dann der Gesprächskreis, der aus 4-6 Personen besteht) Auskunft darüber, wie sie die Situation erlebt haben. Danach hat der Außenkreis das Wort. Er gibt Rückmeldung darüber, wie er die Situation gesehen hat. Am Ende kann aufgeschrieben werden, was geklappt hat, d.h. bei welchem Verhalten diejenigen, die in den Kreis hinein wollten, dies auch geschafft haben.

Vertrauensübungen:

Arbeits-/Organisationsform:
a) zu Dritt: Mittelposition lässt sich fallen und wird von den Äußeren aufgefangen.

Durchführung/Reflexion: Größtenteils bringt die Mitte ausreichend Vertrauen auf, um sich fallen zu lassen.
Arbeits-/Organisationsform:
b) zwei Dreiergruppen gehen zusammen – Kreis, eine(r) geht in die Mitte. Der Außenkreis übergibt die „Mitte“ jeweils kreuz und quer durch den Kreis. Jede(r) ist gefordert, sie sorgfältig aufzunehmen.
Durchführung/Reflektion: Hier gibt es in manchen Gruppen Probleme und zwar im Bereich des Außenkreises. Während häufig in den Gruppen das Problem auftaucht, dass es den SchülernInnen in der Mittelposition schwer fällt, das nötige Vertrauen aufzubringen, sich fallen zu lassen, kommt in dieser Klasse hinzu, dass der Außenkreis das Vertrauen nicht immer einlösen kann. Das heißt, es passiert, dass die Mitte nicht aufgefangen wird.
Dauer: a) und b) 15-20 min

Die Raupe:

Ziel: Sensibilisierung für das Aufbringen von Verantwortung für die Gruppe; Entwicklung von non – verbalen Kommunikationsmöglichkeiten.
Arbeits-/Organisationsform: Es bilden sich Gruppen zu fünf oder sechs Leuten. Alle verlassen den Raum. Die Gruppen kommen nacheinander herein. Jede Gruppe bildet eine Raupe – alle stehen in einer Schlange, halten sich fest und müssen als „komplette Raupe“ zusammen bleiben und einen erstellten Parcours durchlaufen. Eine Schwierigkeit: nur der Kopf der Raupe kann sehen (alle anderen haben die Augen verbunden).
Durchführung/Reflexion: Es ist nicht leicht, als Raupe zusammen zu bleiben. In einer Gruppe schaffen es zwei Jungen von Anfang an gar nicht, sich anzufassen (Hände auf die Schultern zu legen). Sie fassen lediglich das Schalende an. Insgesamt erreichen aber fast alle Raupen vollständig ihr Ziel. In der Auswertung tauschen sie sich über die Schwierigkeiten aus, die es gab. Viele Raupen hätten langsamer laufen müssen. Das Ende hatte große Mühe, mitzukommen. Kaum jemanden ist etwas eingefallen um die Nachfolgenden auf Hindernis aufmerksam zu machen. Diese Ideen wurden im Abschlussgespräch entwickelt (z. B. Bein in die Hand nehmen und über das Hindernis führen...).
Dauer: 30-40 min

Eine gründliche Reflexion schließt sich jeweils an und die Ergebnisse sind selbstverständlich der Klassenleitung und u. U. den Fachkollegen der Klasse auch zugänglich.

Die SchülerInnen erfahren Persönliches voneinander und erkennen den MitschülerIn in vielfältiger Weise als so individuell wie sich selber.
Diese gelebte Erfahrung kann daher als ein Baustein in alltäglichen Schulsituationen einfließen und helfen, Respekt und Toleranz des Miteinanders zu verankern (vgl. das „Werte-ABC“ unseres Schulprogramms).